Reisebericht: Georgien – Halbwüste, Großer Kaukasus und Schwarzes Meer

Zum Hot Spot der Artenvielfalt zwischen Europa und Asien vom 21.–31.5.2018

Reiseleiter: Rolf Nessing

21.5.2018:

Die ReiseteilnehmerInnen und der Reiseleiter trafen sich aus Hamburg, Köln und Berlin kommend bereits im Airport Istanbul.

Nach der planmäßigen Landung in Tbilisi konnte jeder noch im Airport die heimische Währung Lari (GEL) tauschen, bevor uns der Bus in den Osten Georgiens brachte.

Nach etwa zwei Stunden Fahrt erreichten wir müde aber glücklich unser Hotel und bezogen unsere Zimmer. Das warme Abendessen in Form einer typisch georgischen Gemüsesuppe mit Koriander wartete bereits auf uns.

 

22.5.2018:

Nach einem zeitigen Frühstück mit Fladenbrot, Käse, Marmeladen, Quark und Honig sowie einer Art Eierkuchen fuhren wir, ausgestattet mit einer schriftlichen Betretungserlaubnis für dieses Grenzgebiet, mit einem geländegängigen Kleinbus und zusätzlich einem Geländewagen in das Chachuna-Schutzgebiet an der georgisch-aserbaidschanischen Grenze. Bereits vor dem Hotel sang ein Wacholderlaubsänger laut und deutlich – ließ sich jedoch nicht so einfach beobachten oder gar fotografieren.

An einem Steppensee liefen einzelne Stelzenläufer herum. Schwarzstirnwürger saßen auf den Büschen und von überall erklang der Gesang der Grau- und Kappenammern. Im Nest eines Adlerbussards, das wir mit dem Spektiv gut einsehen konnten, waren mindestens 3 Jungvögel zu beobachten.

Nun ging die Fahrt erst durch hügelige Steppengebiete, die an die Weiten der mongolischen Steppen erinnerten. Alles blühte und überall flogen Schmetterlinge und andere Insekten herum – ein Anblick, den man aus Deutschland leider kaum mehr kennt! Entsprechend hoch war die Siedlungsdichte von Grauammer, Kappenammer, Haubenlerche und Kalanderlerche. Praktisch überall flogen und sangen Vögel. Kleinere Schwärme von Rosenstaren ließen sich auf den wenigen Büschen nieder und boten gute Chancen zum Fotografieren. Diese Landschaft, im Mai voller Blüten und saftiger niedriger Pflanzen, beherbergt eine noch kopfstarke Population der Maurischen Landschildkröte (Testudo graeca ibera). Isabellstein-schmätzer zählten ebenso wie Mittelmeersteinschmätzer (Balkansteinschmätzer), Rotkopfwürger, Schwarzstirnwürger, Bienenfresser und Wiedehopf zu den häufigeren Vogelarten. Seltener waren Dornspötter, Kurzzehenlerchen, Brachpieper, Nonnensteinschmätzer und Rostgänse zu beobachten. Höhepunkt in der Steppenlandschaft waren aber sicherlich die im Steppengras sitzenden Gänsegeier, ein Mönchsgeier, Adlerbussarde, Falkenbussarde und Schreiadler. Auch ein Schelladler flog neben Schwarzmilanen, Rohrweihe, Sperber und Wiesenweihe umher. Besonders schön ließen sich zwei Kaiseradler beobachten! (Auch auf der Rückfahrt sollten wir noch einmal zwei andere Kaiseradler lange und durch das Spektiv besonders schön beobachten können!). Gaby kam zu guten Fotos. Jedoch sollte der Tag kein „Tag der Greifvögel“ werden sondern sich zu einem „Tag derTauben" entwickeln: Neben den Straßentauben, den wilden Felsentauben, Ringel- und Hohltauben wurden auch Türken- und Turteltauben beobachtet. Aufregung verschaffte uns ein einzelnes Kaptäubchen, das am Iori-Fluss trank. Meine Artdiagnose wurde eingangs angezweifelt. Es lagen jedoch eindeutige Bildnachweise und -beweise vor. Kaptäubchen werden erst seit wenigen Jahren in Georgien beobachtet!

Seltene Vogelart in Georgien: Kaptäubchen wurden erstmals 2015 in Georgien beobachtet. Foto: G.Dienst


Am Iori-Fluss haben wir unser mitgebrachtes Picknick gegessen. Einer unserer Fahrer spendete selbstgemachten Rotwein zum Essen. Sehr lecker. Die Exkursion entlang des flussbegleitenden Galeriewaldes fiel in der Mittagssonne nicht leicht. Die hier häufigen Blauracken und Pirole entschädigten uns aber für die Mühen.

Auf dem Rückweg beobachteten wir ein Paar Heckensänger bei der Balz. Ein Halsbandfrankolin rief laut und konnte von einigen TeilnehmerInnen und dem RL Rolf Nessing sogar gesehen werden. Erstaunen brachte ein vom Reiseleiter am Wegesrand ergriffener Scheltopusik (Panzerschleiche), eine überdimensionierte Blindschleiche.

Scheltopusik / Panzerschleiche – eine harmlose Echse. Foto: G.Dienst


Am Abend waren wir zu Gast in einem kleinen privaten Weingut. Ökowein verschiedener Jahrgänge, Farbe und Rebsorte konnten hier verkostet und käuflich erworben werden. Als Begrüßungszeremonie konnten wir auf einem Faden aufgefädelte Walnüsse in warme Weinsoße tauchen und zum Trocknen aufhängen. Das anschließende Abendessen im Weingut war typisch kachetisch und ließ keine Wünsche offen. Als alle schon (fast) satt waren, gab es noch Schaschlik und die typischen gefüllten Teigtaschen Khinkali. Unvergesslich wird uns auch der georgische Gesang in Erinnerung bleiben. Der Reiseleiter, der als einziger etwas russisch sprach, hatte voll zu tun mit Übersetzungen.

Vor unserem Hotel riefen abends noch Steinkauz und eine Zwergohreule.

Weinprobe in Kachetien mit georgischer Folklore. Foto: G.Dienst


23.5.2018:

Wieder holten uns pünktlich die beiden Fahrer mit ihren geländegängigen Fahrzeugen vom Hotel ab. Die Fahrt ging mit einem ersten Zwischenstopp auf einem ehemaligen sowjetischen Militärflugplatz heute in den Vashlovani-Nationalpark. Auf dem verwilderten Areal des ehemaligen Militärflugplatzes erfreute uns die Vielfalt an Wildblumen! Rosenstare flogen in kleineren Schwärmen über das Gebiet, eine Wiesenweihe jagte, Grau- und Kappenammern überall. Toll waren die vielen Zauneidechsen der Unterart Lacerta agilis brevicaudata. Gaby, unsere Fotografin in der Gruppe, konnte auch eine Streifen-Smaragdeidechse/ Kaspische Smaragdeidechse Lacerta strigata fotografieren – bravo! Nach einigen Kilometern Fahrt durch fruchtbares Ackergebiet stoppten wir an einem kleinen Steppensee. Bienenfresser, nach Futter suchende Wiedehopfe und am Himmel kreisende Zwergadler waren hier die ornithologische Ausbeute. Der kleine See, der bei den Einheimischen „Schildkröten-See“ genannt wird, machte seinem Namen Ehre: Am Ufer und im See waren Kaspische Wasserschildkröten (Mauremys caspica) zu sehen.

Nun ging die Fahrt „Hügel aufwärts“ in Richtung  Vashlovani Nationalpark. Die Landschaft änderte sich. Wir verließen das fruchtbare Tal und fuhren durch Steppenlandschaften. Unsere Fahrer stoppten sofort bei Bedarf: Um eine Kappenammer oder Rosenstare schön zu fotografieren oder um Brachpieper, Heckensänger und Rotkopfwürger zu beobachten.

Nun waren wir im äußersten Osten Georgiens angekommen – im Vashlovani- Nationalpark. Hier prägen Halbwüsten, Plateaus und wilde Schluchten die Landschaft. Der Blick weit ins Tal mit seinen Pistazien-Wacholderwäldern wird unvergesslich bleiben – ein Hauch von afrikanischer Savanne! Am Horizont der Mingäcevir-Staussee und die Palantökan-Berge – dort ist schon Aserbaidschan. Nach dem mitgebrachten Picknick gingen wir auf Exkursion, vorher vom Nationalpark-Ranger eindringlich darauf hingewiesen, auf dem Weg zu bleiben. Hier im Vashlovani-Reservat leben Braunbär, Wolf, Luchs (Rolf Nessing konnte 2009 hier eine Mutter mit zwei Jungluchsen fotografieren!) und sogar der sehr seltene Persische Leopard (Panthera pardus saxicolor = ciscaucasica), auch Nordpersischer Leopard oder  Kaukasischer Leopard genannt (von dem Rolf Nessing ebenfalls 2009 ein frisches Trittsiegel fotografieren konnte!). Abenteuerlich war die Fahrt durch ein ausgetrocknetes Flusstal, in dem wir eine Strecke wanderten. Hier fanden wir eine individuenreiche Mehlschwalbenkolonie an einer Felswand. Im Canon fütterten Steinsperlinge ihre Jungvögel, sangen Mittelmeersteinschmätzer (Balkanstein-schmätzer), Nonnensteinschmätzer, Blaumerle und Wacholderlaubsänger, flogen Schwarzstirnwürger, Rotkopfwürger, Alpensegler, Wiedehopf, Bienenfresser, Blauracke, Gänsegeier, Kaiseradler, Schreiadler und Adlerbussard. Kaukasusagamen beobachteten aufmerksam jeden unserer Schritte. Ein Horst des Schwarzstorches hoch in einer Felswand war in diesem Jahr offensichtlich nicht besetzt.

Zurück aus dem Vashlovani-Nationalpark besuchten wir ein Brutvorkommen vom Gänsegeier in nächster Nähe einer alten Burgruine. Ein toller Abschluss für diesen schönen Tag!

 

24.5.2018:

Nach dem typischen georgischen Frühstück, heute wieder mit verschiedenen Eiergerichten und sogar Spaghetti, fuhren wir pünktlich ab in Richtung Tbilisi, um dann vor Tbilisi nach Norden, auf die „Georgische Heerstraße“ abzubiegen. Zu Ruhm gelangte diese Trasse durch ihre Geschichte und Bedeutung für die russische Kolonialisierung Transkaukasiens. Tolstoi, Tschechow, Tschaikowski bereisten sie, Dumas und Hamsun beschrieben in ihren Werken ihre Schönheit. Pausen dienten nicht nur zum 

Picknick am Aragvi-Fluss auf dem Weg in den Großen Kaukasus. Foto: H.Kinder


türkischen Mokkatrinken. Das Kloster und Festung Ananuri konnten besichtigt werden. Am Aragvi-Fluss, der sein Wasser aus dem Großen Kaukasus speist, hatten wir ein Mittags-Picknick. Bei Mleta sah der RL Rolf Nessing einen Bartgeier, woraufhin unverzüglich der Bus gestoppt wurde und der vor den Bergen gleitende Bartgeier noch gut beobachtet und fotografiert werden konnte. Für alle Reisegäste war das ein „Lifer“, eine persönliche Erstbeobachtung. Einen nächsten Halt gab es an einer imposanten Basaltwand. Hier waren (erwartungsgemäß, der RL) Felsenschwalben, Rotstirngirlitze, Karmingimpel, Ringdrossel, Gebirgsstelze und die hiesige Unterart des Hausrotschwanzes zu beobachten. Am letzten Stopp vor unserem Ziel suchten Alpenkrähen nach Nahrung in den Matten des Großen Kaukasus.

Am späten Nachmittag erreichten wir Kazbegi, das heutige Stepansminda. Kurz nach der Zimmerbelegung sammelten wir uns zu einem ersten Rundgang durch Stepansminda. Karmingimpel sangen und in der Nähe vom Terek-Fluss konnten Wacholderlaubsänger und Kaukasus-Zilpzalp aus nächster Nähe beobachtet und fotografiert werden.

Rotstirngirlitz aus dem Kaukasus. Foto: G.Dienst


25.5.2018:

Heute müssen wir uns warm anziehen, denn wir wollen hoch hinaus und außerdem droht Regen. Ein Geländewagen bringt uns ins über 2.000m hoch gelegene Kazbegi-Schutzgebiet. Die Wege sind abenteuerlich, auch wenn es sich um eine „neue Umgehungsstraße“ handelt. Ein grandioses Gebirgspanorama entschädigt uns für die Strapazen der Anfahrt. Der Gipfel des 5.033m hohen Kazbek ist zwar in Wolken versteckt (wie fast immer) aber trotzdem gibt es viel zu sehen: In einer gegenüberliegenden Felswand brüten Gänsegeier; ein Bartgeier überfliegt uns und im Niederwald singen Kaukasus-Zilpzalp, Wacholderlaubsänger, Baumpieper und Ringdrossel, auf den Matten singen Braunkehlchen und Bergpieper der Unterart coutellii. Ein heftiger Regenschauer überrascht uns (der erste auf unserer Reise!), der zeitweise sogar in Schnee übergeht. Jeder wandert in Tempo und Höhe nach seiner eigenen Tageskondition. Der Wanderweg lässt ein sich Verlaufen nicht zu. Ein Kaukasus-Königshuhn lässt seinen typischen Ruf weit ins Tal hören und ein Riesenrotschwanz ist in der Ferne im Spektiv auf einem Berggrat zu sehen. Leider kommen wir nicht dichter heran: zu weit, zu hoch.

Beim Kloster Tsminda Sameba treffen wir uns alle wieder.

Beim Kaffeetrinken in Stepansminda konnten wir uns von der Bergwanderung erholen. Gestärkt gehen wir noch einmal zum Terek. Hier fanden wir Orchideen und einen Kleinasiatischen Braunfrosch (Rana macrocnemus) mit seiner hübsch gefärbten Unterseite. Am Hotel singen Karmingimpel, Kaukasus-Zilpzalp und ein Gartenrotschwanz der Unterart samamisicus.

Gartenrotschwanz der Unterart samamisicus. Foto: G.Dienst


26.5.2018:

Heute, am Unabhängigkeitstag Georgiens, fahren wir zur „Geier-Schlucht“, die ihren Namen Ehre macht. Es begrüßen uns gleich mehrere umherfliegende Gänsegeier. Auch ein Bartgeier lässt sich (wieder)  sehen.

Auf dem Weg zu den Wasserfällen jagt eine Wasseramsel im Gebirgsbach. Am Wasserfall selber fliegt ein Mauerläufer auf – leider 

Mauerläufer am kleinen Wasserfall in der Geierschlucht im Großen Kaukasus. Foto: D.Ufer


kommt er, trotz längeren Wartens, nicht zurück. Felsenschwalben brüten in Felshöhlen und der Kuckuck ruft. Besonders hübsch war ein Eichelhäher der Unterart krynicki zu sehen, der anders gefärbt war als die Eichelhäher in Deutschland.

Nach einem Picknick und einem Klosterbesuch geht die Fahrt nun direkt zum reißenden Terek-Fluss. Hier wollen wir in einem größeren Sanddorngebüsch nach Kleinvögeln  Ausschau halten. Da die Witterungsbedingungen mit Regen und starkem Wind für die Kleinvogelbeobachtung ungünstig sind, können wir „nur“ einige Sperbergrasmücken und Heckenbraunellen hören. Entlang des Tals des Terek-Flusses vollzieht sich jedoch noch Greifvogelzug. Etwa vierzig „Falkenbussarde“, eine Unterart des Mäusebussards, und vereinzelte Wespenbussarde ziehen an den östlichen Berggipfeln Richtung Norden. Sie sind spät dran. Am Terek suchen Flussuferläufer und mehrere Flussregenpfeifer Nahrung.

Auf einer Rinderweide in Hotelnähe ruft unerwartet ein Wachtelkönig – sicherlich ein später Zugvogel und am Terek entdecken wir einige Orchideen. 


27.5.2018:

Heute fuhren wir die längste Strecke vom Hohen Kaukasus bis zum Schwarzen Meer in die Autonome Republik Adscharien. Unser Busfahrer Malchas fährt umsichtig, wenn auch zz = ziemlich zügig, halt so, wie es in Georgien üblich ist. Zuerst geht die Fahrt auf der Georgischen Heerstraße Richtung Süden, ehe wir nach Westen abbiegen. Auffällig die Camps mit kleinen Häusern, alle in Reih und Glied errichtet – hier wohnen Flüchtlinge aus Süd-Ossetien. Die Grenze zu Süd-Ossetien, eine von Russland unterstützte Abspaltung von Georgien, ist nicht weit. Schneebedeckte Berge im Norden und Nordwesten, Großer Kaukasus, unerreichbar von Georgien aus. Die Fahrt geht vorbei an Gori, der Geburtsstadt Stalins und Kutaisi, einer ehemaligen sowjetischen Industriestadt mit seinen Fabrikruinen. Zum Mittagessen gibt es verschieden gefüllte Teigtaschen, Schaschlik und frisches Brot in einer kleinen Gaststätte am Wegesrand. Kaffee gibt es etliche Kilometer und Stunden später. Da wir gut in der Zeit liegen, haben wir Zeit für einen Beobachtungsstopp vor Poti. Gaby kann hier einen Laubfrosch wunderschön fotografieren und wir anderen können mehrere singende Feldrohrsänger und Maskenstelzen sowie Schwarzstirnwürger beobachten. Dann sehen wir endlich das Schwarze Meer und haben auch noch Zeit für einen weiteren Beobachtungsgang. Unser Busfahrer kennt  unser Beobachtungsziel bereits aus den vergangenen Jahren und bringt uns ans Ufer des Schwarzen Meeres. Hier, wo im Herbst hunderte von Limikolen rasten, sangen im Strandgebüsch Sperbergrasmücke und Blassspötter. An Limikolen konnten wir immerhin alle drei Regenpfeiferarten dicht nebeneinander beobachten: Flussregenpfeifer, Sandregenpfeifer und Seeregenpfeifer.

Am Abend erreichten wir die Autonome Republik Adscharien und unsere Gastfamilien. Nicht nur das reichhaltige landestypische Abendessen überraschte die TeilnehmerInnen. Der abendliche Blick von den Hügeln des Pontischen Gebirges, fliegende Glühwürmchen und der georgische Wein beendeten einen anstrengenden Reisetag.


28.5.2018:

Aus dem Tagebuch von Heike: „Was uns nun aufgetischt wird, macht uns schier sprachlos!“. Das üppige Frühstück setzt die Tradition des Abendbrotes von gestern fort und tröstet uns über die  eingeschränkte Bad- und Toilettensituation hinweg. Doch in ein Hotelzimmer in Batumi möchte alternativ niemand tauschen.

Typisch adscharisch-georgisches Abendessen. Foto: R.Nessing


Nun geht die Fahrt in ein Flussdelta. Die vielen Neuntöter in diesem Gebiet fallen auf. Braune Sichler, Grau-, Purpur-, Seiden-, Rallen- und Kuhreiher ließen diesen Tag zu einem „Schreitvogeltag“ werden. Auf dem Schwarzen Meer schwamm ein Prachttaucher und eine Gruppe Tümmler ließ sich sehen.  Moorenten, eine Spießente und Tafelenten schwammen gemeinsam mit Zwerg- und Haubentauchern auf einem Kleingewässer. Ein weiterer Höhepunkt war ein Zwergdommel-Männchen, das kurz aus dem Schilf flog.

Unsere Familienpension befand sich inmitten des berühmten „Bottleneck von Batumi“, in dem im Herbst täglich Zehntausende von Greifvögeln durchziehen. Hier waren am Nachmittag immerhin noch vereinzelte Falkenbussarde und Wespenbussarde über den Häusern unserer Gastfamilien in Richtung Norden unterwegs. 

 

29.5.2018:

Als wir nach dem Frühstück in den Mtirala-Nationalpark aufbrechen, regnet es über Batumi. Der Regen wird uns bis zum Nachmittag begleiten. „Mtirala“ bedeutet „Heulsuse“, eine Anspielung auf den vielen Niederschlag in dieser Region. Der Wald im Mtirala-Nationalpark mit seinen verschiedenen Rhododendrenarten lebt vom Wasser. Wir beugen uns der Notwendigkeit des Regens und wandern in vollem Regenschutz in den Nationalpark hinein. Wasseramsel und Gebirgsstelze fliegen am rauschenden Gebirgsbach. Wir bekommen einen Eindruck von diesem subtropischen Wald, in dem sich heute die Regenwolken verfangen. Über eine Hängebrücke finden wir bei Regen zu einem kleinen Café. Hier essen wir eine Kleinigkeit und der Kaffee tut auch gut. Ein Nationalpark-Ranger erzählt von einem Braunbären, den er gestern im Nationalpark gesehen hat.  

Den Nachmittag verbringen wir an der Küste des Schwarzen Meeres. Hier an der Küste hat es mittlerweile aufgehört zu regnen. In einem kleinen Kiefernwald singt ein Türkenkleiber, der sich auch gut anlocken lässt. Gute Möglichkeiten zum Beobachten und zum Fotografieren. Über dem Wald ziehen Falkenbussarde und immerhin 12 Wespenbussarde nach Norden. Ob sie noch rechtzeitig in ihre Brutgebiete gelangen? An einer nahegelegenen Burgruine sonnen sich Grusinische Eidechsen der Unterart Darevskia rudis bischoffi.    

Türkenkleiber bei Batumi. Foto: G.Dienst


Zurück bei unseren adscharischen Gastfamilien nutzen wir die Zeit bis zum Abendessen mit einer Exkursion in die Shuamta-Hügel. Hier zählen im Herbst Ornithologen jährlich mehr als eine Million Greifvögel in mittlerweile 34 Arten! Jetzt, Ende Mai, sind nur noch wenige verspätete Greifvögel auf dem Zug in ihre Brutgebiete im Norden. Einige Bienenfresser ziehen über unsere Köpfe. Wir genießen den abendlichen Ausblick auf den Mtirala-Nationalpark (in dem sich immer noch die Regenwolken verfangen) und auf das Schwarze Meer auf der anderen Seite.    

 

30.5.2018:

Nach üblichem Start mit üppigem und leckerem Frühstück ist der Botanische Garten an diesem sonnigen Tag unser Ziel. Eigentlich ist es mehr ein Arboretum, das 1912 vom russischen Botaniker Krasnow gegründet wurde. Ein singender Blassspötter begrüßte uns im Eingangsbereich. Der andersartige Gesang der hiesigen Buchfinken fiel uns auf.

Den Nachmittag verbrachten die meisten Reiseteilnehmer auf eigene Faust in Batumi. Neben der modernen Skyline interessierte vor allem die historische Altstadt, wo malerische alte Häuser mit ihren Balkonen voller Blumen auffielen.

Wir werden wiederum mit einem üppigen Abendessen mit einer Vorsuppe, Fleisch, Khinkali, Kuchen und aromatischen Erdbeeren verwöhnt. Dann werden die Koffer gepackt. Morgen ist Abreise.

 

31.5.2018:

Unser treuer und zuverlässiger Busfahrer Malchas bringt uns nach dem Frühstück zum Flughafen von Batumi. Er freut sich über das Trinkgeld. Auf Wiedersehen Malchas, bis zum Herbst, bis zur Greifvogelzug-Reise! 

Aus dem Tagebuch von Heike: „Das war eine wunderschöne Reise in ein außerordentlich schönes und interessantes, teils exotisches Land. Wir waren aber auch eine prima Truppe.“.

Das möchte ich hiermit bestätigen und ergänzen: Eine prima, interessierte, lustige und pünktliche Truppe! 



Reisebericht der Großen Georgienreise

vom 27. August bis 6. September 2015
 

Reiseleiter: Rolf Nessing

Donnerstag, 27.8.2015:

Die Reisegruppe traf sich am frühen Nachmittag in der Vorhalle des Airports der georgischen Hauptstadt Tbilisi. Der Reiseleiter Rolf Nessing, der Georgien seit Jahren bereist, erwartete dort die insgesamt 10 mitreisenden Gäste aus Deutschland, der Schweiz und aus Österreich.

In der Vorhalle des Airports war auch Gelegenheit, an einem Bankschalter die georgische Landeswährung Lari (GEL) zu tauschen.


Danach ging die Fahrt mit einem Kleinbus etwa 1,5 Stunden Richtung Osten in die georgische Provinz Kacheti (Kachetien). Am Wegesrand saßen Bienenfresser und Blauracken auf den Leitungsdrähten.

Während eines kurzen Zwischenstopps, der auch zum Kauf von Getränken genutzt wurde, zogen erste Falkenbussarde und Sperber hinweg.


Zur Abendbrotzeit erreichten wird das Hotel. Nach dem Essen stellten sich der Reiseleiter und die TeilnehmerInnen vor. Das Gesamtreiseprogramm sowie der nächste Tag wurden besprochen.

Kachetien – Georgiens östlichste Provinz © Rolf Nessing

Freitag, 28.8.2015:

Nach dem Frühstück im Hotel ging die Fahrt mit einem geländegängigen Kleinbus sowie einem zweiten Geländewagen zuerst zum städtischen Basar, um zu den vom Hotel gefertigten Lunchpaketen noch Wassermelonen zu kaufen. 

Der erste ornithologische Halt war an einem Steppensee nahe der Stadt. Hier schwammen neben 11 Odinshühnchen noch Schwarzhalztaucher. Alpensegler, Mauersegler und eine Felsenschwalbe zogen hinweg. Kurzzehenlerchen, Schwarzstirnwürger, Schwarzkehlchen und Neuntöter konnten in der Nähe des Sees beobachtet werden. Ein Feld mit Sonnenblumen bot dutzenden Ortolanen und einigen Grauammern Nahrung.

An einem Kloster in der Nähe der Stadt kreisten Schmutzgeier, Gänsegeier und Adlerbussarde. Dann ging die Fahrt, immer wieder unterbrochen von Beobachtungsstopps, in das Schutzgebiet unweit der georgisch-aserbaidschanischen Grenze. Unterwegs konnten Adlerbussarde, Falkenbussarde, Korn- und Wiesenweihe, Kurzfangsperber, Sperber, Turmfalken, Rotfußfalke, Weidensperlinge, Steppenadler, Bienenfresser, Blauracken, Kurzzehenlerchen, Rotkopfwürger, Isabellsteinschmätzer und viele Haubenlerchen beobachtet werden. Mehrere Maurische Landschildkröten (Testudo graeca ibera) konnten betrachtet werden, einige von ihnen trugen große Reptilienzecken.

Am Stausee rasteten diesmal nur wenige Vögel: Kormorane, Seiden- und Graureiher. Am Ausfluss wurde gerastet und Mittag gegessen (Lunchpaket). Hier konnten während des Essens ein Eisvogel und Beutelmeisen sowie viele Bienenfresser beobachtet werden. In den Pfützen tummelten sich Seefrösche. 

Nach einer weiteren kürzeren Fahrt durch die Halbwüste erreichten wir den flussbegleitenden Auenwald. Diese Landschaft wirkt mit seiner Vegetation wie eine Oase inmitten der sonst sehr trockenen Landschaft. Ornithologischer Höhepunkt war hier der dichte Überflug eines rufenden alten Kaiseradlers. Kaiseradler sind auch in Georgien sehr selten brüten in Georgien nur hier im Auenwald. 

Wenn man Georgien bereist, sollte man mindestens ein Kloster und ein Weingut besuchen. Letzteres war für den heutigen Abend vorgesehen. 

Georgien blickt auf eine etwa 7.000 Jahre alte Weinkultur zurück. Kachetien zählte zu den wichtigsten Weinanbaugebieten der ehemaligen Sowjetunion. Nach dem Abendbrot im Hotel wurde deshalb ein Weingut besucht. Obwohl nur eine Weinverkostung bestellt war, wurde durch die Betreiberfamilie des Weinhutes aufgedeckt, was die kachetische Küche zu bieten hatte. Die Teller und Schüsseln standen teilweise übereinander gestapelt auf dem Tisch, dazu Wein, Musik und Gesang – ein sicherlich unvergesslicher Abend.

Weinprobe in Kachetien © Rolf Nessing

Sonnabend, 29.8.2015:

Wieder mit einer riesigen Wassermelone sowie den Lunchpaketen beladen, ging diesmal der Tagesausflug in den Vashlovani-Nationalpark. Der Vashlovani-Nationalpark ist ein Nationalpark in der Region Kachetien im äußersten Osten Georgiens. Vashlovani bedeutet „Apfelholz“. Das Gebiet liegt nur etwa in 500-600m über NN und wird durch ein sehr trockenes Klima geprägt. Wüsten und Halbwüsten wechseln sich ab. Fels- und Hügelformationen geben dem Gebiet ein bizarres Aussehen. Dazwischen gibt es lichte Pistazien-Wacholderwälder und Buschgebiete mit Schwarzem Wacholder, Persischen Wacholder und Rotem Wacholder. Einige Wacholder sind 400-500 Jahre alt.

Bereits 1935 wurde ein Reservat eingerichtet, das 2003 erweitert wurde, wobei gleichzeitig der Vashlovani-Nationalpark mit einer Gesamtfläche von über 251 Quadratkilometern entstand.

Im Jahr 2003 wurde erstmals die Fährte eines Kaukasischen Leoparden entdeckt. Im darauffolgenden Jahr konnte erstmals ein Leopard im Nationalparkgebiet mit einer Kamerafalle aufgenommen werden. Im Gebiet leben 46 Säugetierarten, wie Goldschakal, Wölfe, Luchse, Braunbären, Rohrkatzen und Stachelschweine.

Die Fahrt ging zuerst noch über eine Asphaltstraße, dann wurden staubige Feldwege befahren und schließlich, schon im Nationalpark, waren wir dankbar mit geländegängigen Fahrzeugen ausgestattet gewesen zu sein. Besonders auf den abgeernteten Getreidefeldern des Shirak-Tals jagten viele Greifvögel: Steppenadler, Rohrweihen, Wiesenweihen, Adlerbussarde, Falkenbussarde, Turmfalken. Am Wegesrand saßen Neuntöter, Schwarzstirnwürger und Rotkopfwürger. Kleinere und größere Schwärme von Bienenfressern zogen über unsere Köpfe hinweg. Eine große Heuschrecke der Art Saga ephippigera ephippigera konnte gefangen und fotografiert werden.

Der Blick in den Vashlovani-Nationalpark mit seinen Pistazienwäldern war für einige Teilnehmer so überwältigend, dass davon noch Tage später geschwärmt wurde.

Im Kerngebiet des Vashlovani-Nationalparks – savannenartige Pistazienwälder © Rolf Nessing

Bei einer mehrstündigen Wanderung durch den Canon innerhalb des Vashlovani-Nationalparks zeigte sich ein Wespenbussard, einige Gänsegeier, Schmutzgeier, Wanderfalke und ein weiterer überfliegender Kaiseradler. Klippenkleiber leckten an Felswand austretendes Wasser. An einer Felswand fand sich eine beeindruckende Brutkolonie der Mehlschwalbe. Im Canon selbst wurden nur wenige Kleinvögel, z.B. Mittelmeersteinschmätzer, gesehen. Ein Kurzfangsperber jagte im Canon. Die scheuen Schnellen Wüstenrenner (Eremias velox caucasia) (eine Eidechsenart) und Kaukasus-Agamen (Stellio caucasius) konnten sogar fotografiert werden.  

Auch auf der Rückfahrt zum Hotel wurde immer wieder mal angehalten, um Kleinvögel oder Greifvögel zu bestimmen und zu beobachten. 

Sonntag, 30.8.2015:

Nach dem Frühstück fuhren wir die lange Strecke vom Osten Georgiens erst in Richtung Tblisi, um dann nach Norden die georgische Herrstraße bis nach Kazbegi, dem heutigen Stepantsminda, zu fahren.

Die regelmäßigen Stopps wurden auch wieder genutzt, um nach Vögeln, Reptilien und den Pflanzen Ausschau zu halten.

So konnten bei einem Halt südlich des Klosters Ananuri wieder ziehende Bienenfresser und die Grusinische Eidechse/Kielschwanz-Felseidechse Darevskia rudis chechenica beobachtet werden.

Bei einem Halt nördlich von Gudauri im Kaukasusgebirge flogen Alpendohlen, Felsenschwalben, Wasserpieper, Bart- und Gänsegeier umher. Schwarzmilane und Falkenbussarde zogen unweit des Jvari-Passes (2.370m über NN) nach Süden.

Bei einem weiteren Halt kurz vor dem Ziel Kazbegi/Stepantsminda flogen viele Felsenschwalben und einige Rotstirngirlitze an einer beeindruckenden Felswand.  

Nach dem Beziehen der Pension war noch Zeit für einen Erkundungsgang durch den Ort Kazbegi/Stepantsminda, wo erste Kaukasus-Zilpzalpe aus nächster Nähe beobachtet werden konnten. Desweiteren auch eine Ringdrossel und drei Karmingimpel.
 

Montag, 31.8.2015:

Zunächst fuhren wir mit mehreren geländegängigen Fahrzeugen von Kazbegi/Stepantsminda durch den Ort Gveleti bis zum Kloster St. Semeba, oberhalb von Kazbegi/Stepantsminda.

Im Kaukasusgebirge: das Kloster St. Semeba © Rolf Nessing

Danach folgten wir zu Fuß den Wanderpfad hinauf in Richtung des Gergeti Gletschers. An einer gegenüberliegenden Felswand rasteten Gänsegeier in ihren Brutnischen. Im Birkengestrüpp riefen mehrere Kaukasus-Zilpzalpe, die z.T. auch recht gut zu beobachten waren.  

Oberhalb der Baumgrenze flogen Wasserpieper, Berghänflinge, Alpenbraunelle und Steinrötel. Wiesenweihen, Rohrweihen, Falkenbussarde, Sperber, Alpensegler, ein Wiedehopf und einige hundert Bienenfresser zogen hinweg. Das zu dieser Jahreszeit nicht einfach zu findende Kaukasus-Birkhuhn konnte trotz längerer Suche dieses Mal leider nicht in den Rhodedendren gefunden werden. Die meisten Teilnehmer erklammen den Mginvartsveri-Berg bis zu einer Höhe von 2.802 m über NN. Bis zur Höhe des Gergeti-Gletschers, in deren Nähe sich gewöhnlicher weise der Riesenrotschwanz und das Kaukasus-Königshuhn aufhalten, erklomm keiner der Teilnehmer den Kaukasus. 

Nach dem Abstieg hinunter wurde noch gemeinsam das Kloster St. Semeba besucht, ehe sich fast alle nach Kazbegi/Stepantsminda zurückfahren ließen. Zwei Teilnehmer gingen die etwa 6 Kilometer zu Fuß zurück bis zur Pension. 

Nach der Rückkehr in Kazbegi/Stepantsminda wurden dort in der Nähe des Tergi-Flusses inmitten der Stadt noch mehrere Wacholderlaubsänger gesehen und gehört sowie ein Kaukasus-Eichhörnchen fotografiert.
 

Dienstag, 1.9.2015:

Nach dem Frühstück fuhren wir wenige Kilometer nach Norden, unweit der georgisch-russischen (nordossetischen) Grenze. In zwei engen Seitentälern des Tergi-Flusses (Terek-Fluss), die zum Kazbegi-Nationalpark gehören, befinden sich zwei Wasserfälle. An den Felswänden ruhte etwa ein Dutzend Gänsegeier. Bartgeier, Wanderfalke und Steinadler überflogen das Tal und ein größerer Schwarm Alpenkrähen flog an den Gipfeln des Bergmassivs, wie auch mehrere Felsenschwalben. Im Gebirgsbach tauchte eine Wasseramsel und im Buschwerk flogen Kaukasus-Zilpzalpe und Wacholderlaubsänger.

Mehrere Kaukasus-Eidechsen (Darevskia caucasica caucasica) sonnten sich auf Steinen und ein Apollofalter ließ sich längere Zeit gut fotografieren.

Im Seitental des Tergi-Flusses im Kaukasus-Nationalpark © Rolf Nessing

Nach einem Mittagessen in einer kleinen Gaststätte in Kazbegi/Stepantsminda besuchten wir noch einen kleinen Laubwald und einen größeren Sanddornbuschbestand in der Nähe des Tergi-Flusses südlich von Kazbegi/Stepantsminda. Bedingt durch den starken Wind an diesem Nachmittag zeigten sich nur wenige Kleinvögel. Steinadler, Gänsegeier, Adlerbussard und Falkenbussarde konnten am blauen Himmel beobachtet werden. 

Ein Teilnehmer unternahm einen zweiten Versuch, die Hochgebirgsarten Kaukasus-Königshuhn und Riesenrotschwanz zu sehen und wanderte nochmals oberhalb des Ortes Gergeti. 
 

Mittwoch, 2.9.2015:

Nach dem Frühstück starteten wir zur längsten Fahrstrecke der gesamten Reise. Es waren von Kazbegi/Stepantsminda über Tbilisi bis fast nach Batumi über 400 km zu fahren.

Am Straßenrand waren immer wieder Adlerbussarde, Falkenbussarde, Blauracken und Bienenfresser zu sehen.  

Ein Zwischenstopp am Kloster von Ananuri erbrachte nochmals eine Grusinische Eidechse/Kielschwanz-Felseidechse (Darevskia rudis chechenica), die sich direkt an der Straße am Felsen sonnte. 

Beim Mittagessen in einer kleinen Gaststätte in Imeretien flogen zwei Falkenbussarde hinweg und ein Laubfrosch rief. 

Bei einem weiteren kurzen Halt in Gurien flog an einem Feuchtgebiet ein Goldregenpfeifer und mehrere Rohweihen jagten dort. 

Am Abend erreichten wir die autonome Republik Adscharien (Adjara) am Schwarzen Meer. Nach dem gemeinsamen Abendessen bezog ein Teil der Gruppe Etagen in zwei Häusern in einem kleinen Dorf bei adscharischen Familien, ein anderer Teil der Gruppe wohnte in einem größeren Hotel direkt am Schwarzen Meer.
 

Donnerstag, 3.9.2015:

Der gesamte heutige Tag wurde zur Beobachtung des Greifvogelzuges auf den Hügeln nordöstlich von Batumi genutzt. Der Beobachtungshügel war nur wenige hundert Meter von der Unterkunft entfernt, so konnte jeder Teilnehmer seinen Tag individuell gestalten. Je nach Interessenlage verbrachten einige der Teilnehmer den gesamten Tag auf dem Beobachtungshügel, andere erholten sich im subtropischen Garten der Gastfamilien und wurden dort verwöhnt, andere nutzten den Nachmittag für einen Besuch des Botanischen Gartens bei Batumi.
 

Insgesamt wurden an dieser Zählstation am 3.9.2015 gezählt: 

Schwarzstorch 3

Wespenbussard 7.166

Schwarzmilan 151

Schlangenadler 2

Rohrweihe 124

Kornweihe 1

Steppenweihe 6

Wiesenweihe 32

Weihen spec. 71

Kurzfangsperber 36

Falkenbussard 5

Schreiadler 3

Zwergadler 110

Fischadler 4

Wanderfalke 1

Auf dem Beobachtungshügel bei Batumi: warten auf den Greifvogel-Massendurchzug © Rolf Nessing

Auf dem Weg zum Beobachtungshügel lag eine junge Blindschleiche. Desweiteren zogen hunderte von Bienenfressern Richtung Süden 

Leider mussten zwei Teilnehmerinnen (nacheinander) ins Krankenhaus nach Batumi gefahren werden, da eine Teilnehmerin von einem Hund leicht in die Wade gebissen wurde bzw. eine andere Teilnehmerin eine Allergie nach dem Verzehr von heimischen Nüssen bekam. Der Reiseleiter kennt nun den Weg zum Krankenhaus von Batumi 
 

Freitag, 4.9.2015:

Nach dem Frühstück fuhr der größere Teil der Gruppe zu verschiedenen Stellen am Schwarzen Meer. Im Mündungsgebiet eines Flusses fanden sich dann einige Limikolen. Es waren zwar nicht hunderte Vögel wie in den Jahren zuvor, aber einige waren dafür schön zu beobachten: Sand-, Fluss- und Seeregenpfeifer, Großer Brachvogel, Zwergstrandläufer, Waldwasserläufer, Flussuferläufer, Knut und Austernfischer.

Beeindruckend waren hunderte Zwergmöwen und Zwergseeschwalben, die im Mündungsgebiet nach Nahrung suchten und am Ufer rasteten. Dazwischen saßen und flogen Brandseeschwalben, Fluss- und Trauerseeschwalben, Lach-, Steppen-, Mittelmeermöwen, eine Dünnschnabelmöwe und zwei diesjährige Mantelmöwen. 

Viele Schafstelzen zogen Richtung Süden, genauso wie hunderte Bienenfresser und ein Kuckuck. 

Der Nachmittag wurde wiederum individuell für einen Besuch des Botanischen Gartens oder es wurde vom Beobachtungshügel aus der Greifvogelzug beobachtet, der an diesem Tage besonders intensiv war. Hunderte von Greifvögeln zogen z.T. direkt über unsere Köpfe hinweg bzw. unterhalb vom Beobachtungshügel vorbei. Gestern zogen die meisten Greifvögel östlich an uns vorbei. 

Insgesamt wurden an dieser Zählstation am 4.9.2015 gezählt:

Weißstorch 21

Wespenbussard 5.676

Schwarzmilan 530

Schlangenadler 2

Rohrweihe 105

Adlerbussard 1

Steppenweihe 1

Wiesenweihe 77

Weihen spec. 130

Fischadler 3

Falkenbussard 5

Schreiadler 6

Zwergadler 66

Sonnabend, 5.9.2015:

Am Vormittag stand der Besuch des Mtirala-Nationalparks in Adscharien auf dem Programm.

Mtirala-Nationalpark: feuchtes und heißes Klima ermöglichen eine üppige Vegetation © Rolf Nessing

Der Name Mtirala (deutsch: Heulsuse) leitet sich von der bei 4.520 mm liegenden jährlichen Niederschlagsmenge her ab, die das Gebiet zu einem der regenreichsten der ehemaligen Sowjetunion machte.

Die Flora setzt sich aus 284 Arten in 202 Gattungen zusammen und wird von Wäldern geprägt. 95 Wirbeltierarten sind auf dem Parkgebiet nachgewiesen. Neben Braunbären, Rotfüchsen, Dachsen, Hasen, Kaukasischen Eichhörnchen (Sciurus (Tenes) anomalus), Rehen, Wildkatzen und Wildschweinen kommen im Parkgebiet auch vereinzelt Luchse und Wölfe vor.  

Nach einem letzten und wiederum üppigen Mittagsessen bei unseren Gastfamilien machten wir uns auf dem Weg zurück nach Tbilisi, wo wir am Abend ein Hotel für die letzte Nacht bezogen.

Marktstände am Straßenrand: Obst und Honig und Süßigkeiten © Rolf Nessing

Sonntag, 6.9.2015:

Am frühen Morgen wurden die Teilnehmer zum internationalen Airport von Tbilisi gefahren und traten ihre Heimreise an. 

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