Reisebericht Vogel-Wochenende Havelland – Gänse, Kraniche & Co.“ vom 7.-9. Oktober 2016

Freitag, 7. Oktober 2016:

Die Teilnehmer aus Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Berlin sowie der Reiseleiter Rolf Nessing trafen sich am Freitagmittag zum Begrüßungskaffee im Hotel. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde, dem Besprechen des Programmes und der einzelnen Erwartungen und Wünsche an diese Reise, ging die Autofahrt in Fahrgemeinschaft zu einem der größten Rast- und Schlafplätze der Kraniche im deutschen Binnenland. Schon unterwegs wurde mehrmals für kleinere (dutzende bis hunderte Kraniche) und größere Gruppen von Kranichen (ca. 5.000 Vögel) am Weg gehalten und das Spektiv aufgebaut. Für die meisten Teilnehmer waren die deutlich von den Rufen der Altvögel unterscheidbaren Rufe der Jungkraniche neu. Weiter ging die kurze Autofahrt durch das durch weite Luchgebiete, Auenlandschaften, Seen und Wälder geprägte Havelland. Ziel war ein Rast- und Schlafplatz der Kraniche, wo im Herbst schon bis zu 110.000 Vögel gezählt wurden. Am Wegesrand jagten Rotmilane, Mäusebussarde, ein Sperber und Turmfalken.

Kraniche im Havelland (Foto: Rolf Nessing - aufgenommen während einer VOGELZUG-Reise)

Im Gebiet angekommen, beschäftigten wir uns erst einmal mit den dort auch rastenden Enten und Gänsen. Eine der ersten Übungen war die Unterscheidung von Grau-, Saat- und Blässgänsen an ihren Rufen. Anschließend konnten in aller Ruhe erste Bestimmungsübungen an 9 Entenarten durchgeführt werden. Es wurden die verschiedenen Alterskleider und Mauserzustände unterschieden.

Zwischendurch flogen immer wieder hunderte von nordischen Gänsen und Gruppen von Kranichen im leichten Nebel und bei Nieselregen über unsere Köpfe hinweg – ein unvergessliches und imposantes Schauspiel, besonders bei diesem herbstlichen Wetter. Trotz des grauen Wetters konnte ein Eisvogel gut und lange beobachtet werden. Desweiteren rief eine Wasserralle. Rauchschwalben, Misteldrossel, Erlenzeisige und Wiesenpieper zogen. Eine Beutelmeise wurde gehört und ein pendelndes Nest dieser Art in einer Birke entdeckt.

Beim Abendessen im Hotel wurden die Eindrücke noch einmal ausgetauscht und (wie jeden Abend!) die obligatorische Vogelliste der Tagesbeobachtungen erstellt. 

Sonnabend, 8. Oktober 2016:

Nach dem Frühstück ging es  zu den letzten Großtrappen Deutschlands. Da der Reiseleiter (fast) alle Einstände der Großtrappen im Havelland persönlich kennt, konnten auf Anhieb 52 (etwa ein Drittel der Gesamtpopulation Deutschlands) dieser weltweit schwersten flugfähigen Vogelart auf einem Rapsfeld gefunden werden. Ein grandioser Anblick, zumal der Regen just in diesem Augenblick aufhörte und die Farben des Gefieders nunmehr lukulent zu sehen waren. Einige der Trappen waren durchnässt, schüttelten ihr Gefieder und putzten sich ausgiebig. Andere Vögel zupften am Raps herum und fraßen – alle Großtrappen jedoch waren sehr aufmerksam und beäugten uns, obwohl wir außerhalb des Schutzgebietes standen.

Was sollte es nach diesem Naturerlebnis noch für Steigerungsmöglichkeiten geben? Es gab sie: Anschließend konnten mehrere Raufußbussarde bei ihrer typischen Rütteljagd beobachtet werden, zwei Seeadler saßen in einer Wiese und eine diesjährige Rohrweihe zog zügig nach Westen.

„Vögel satt“ (natürlich nicht im lukullischen Sinn)  gab es anschließend im Naturpark Westhavelland: Zehntausende nordischer Blässgänse und Tundra-Saatgänse (Unterart Anser fabalis rossicus) rasteten auf einem See. Dazu gesellten sich an Wasservögeln neun Entenarten,  Brand-, Grau-, Weißwangengans und Gänsesäger. An Limikolen suchten am Seeufer Sand- und Flussregenpfeifer, Kiebitz, Bruchwasserläufer, Zwergstrandläufer, Alpenstrandläufer sowie 7 Große Brachvögel nach Nahrung. Ein Singschwan trug einen blauen Halsring. Die Innschrift konnte abgelesen werden. Der Vogel stammt aus Littauen.

Der Höhepunkt und zugleich der Abschluss des Tages war jedoch der abendliche Einflug von tausenden Kranichen, die lautstark dicht über unsere Köpfe hinweg in guter Sichtweite landeten.

Zuvor erfreuten uns 5 Seeadler, die sich am Seeufer bewegten bzw. auf einem kahlen Baum ruhten.

Alle waren sich einig: Das war ein schöner und erlebnisreicher Tag!

Sonntag, 9. Oktober 2016:

Am Morgen besuchten wir den Gollenberg im Havelland. Mit 109 m ist es die höchste Erhebung im westlichen Havelland. Am 9. August 1896 verunglückte hier der Flugpionier Otto Lilienthal. Gemeinsam mit seinem Bruder veröffentlichte Otto Lilienthal das Buch „Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst“.

Mit Vogelflug war an diesem nassen und nebligen Sonntagmorgen nur wenig los: einige Kraniche suchten im Luch unterhalb des Gollenberges lautstark nach Nahrung.

Den Vormittag verbrachten wir noch einmal im Naturpark Westhavelland und konnten viele der gestern beobachteten Vogelarten hier noch einmal in aller Ruhe beobachten. Danach ging die kurze Fahrt zurück ins Hotel, wo uns eine warme (Abschieds)Suppe erwartete.

Beobachtete Vogelarten 7. bis 9. Oktober 2016:

Höckerschwan

Singschwan

Graugans

Tundra-Saatgans

Blässgans

Weißwangengans

Brandgans

Stockente

Schnatterente

Spießente

Löffelente

Pfeifente

Krickente

Kolbenente

Tafelente

Reiherente

Schellente

Gänsesäger

Haubentaucher

Zwergtaucher

Kormoran

Silberreiher

Graureiher

Seeadler

Rotmilan

Rohrweihe

Mäusebussard

Raufußbussard

Sperber

Turmfalke


Wasserralle

Bläßralle

Kranich

Großtrappe

Flußregenpfeifer

Sandregenpfeifer

Kiebitz

Bruchwasserläufer

Zwergstrandläufer

Alpenstrandläufer

Großer Brachvogel

Steppenmöwe

Lachmöwe

Steppenmöwe

Straßentaube

Ringeltaube

Hohltaube

Türkentaube

Eisvogel

Grünspecht

Buntspecht

Feldlerche

Uferschwalbe

Rauchschwalbe

Wiesenpieper

Bachstelze

Wintergoldhähnchen

Zaunkönig

Hausrotschwanz

Amsel


Singdrossel

Misteldrossel

Zilpzalp

Blaumeise

Kohlmeise

Sumpfmeise

Haubenmeise

Kleiber

Beutelmeise

Gartenbaumläufer

Waldbaumläufer

Raubwürger

Eichelhäher

Elster

Nebelkrähe

Rabenkrähe

Kolkrabe

Star

Haussperling

Feldsperling

Buchfink

Bergfink

Grünfink

Stieglitz

Erlenzeisig

Bluthänfling

Goldammer

Rohrammer



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